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Wie der Hund und die Katze sich wegen
einer dummen Sache zerstritten und welche Folgen das hatte:
Einst
lebten Hund und Katze gemeinsam im Hause der Menschen unter einem Dach. Aber
dann kam es eines Tages zu einem Streit zwischen ihnen, so daß der Hund auf den
Hof verbannt werden mußte.
Diese Geschichte fing in Ur-Zeiten an und zwar bei einem
alten Mann, der einen Hund hatte und eine Katze. Eines Tages sagte er zu seinen
Tieren: "Ich habe euch stets ernährt. Jetzt wo ich älter geworden bin,
bitte ich euch, auch für mich etwas Essen zu besorgen. Wollt ihr das tun?"
Hund und Katze nickten und sagten, das wollten sie ganz
gewiß tun und zwar sehr gern. "Dann geht", sagte der Mann "und
jagt mir ein Kaninchen. Davon werden wir alle drei satt." "Ja, das
machen wir", sagten Hund und Katze wie aus einem Mund. Sie verabschiedeten
sich und gingen davon.
"Wie machen wir das?" fragte die Katze den Hund,
als sie unterwegs waren. "Ach das ist kein großes Problem", sagte der
Hund. "Du setzt dich an das Loch vom Kaninchenbau, ich schlüpfe rein und
wenn ich das Kaninchen aufgestöbert habe, jage ich es ganz einfach zum Loch
hinaus. Alles was du tun mußt, ist, es genau in dem Augenblick zu packen, in
dem es aus dem Loch gestürzt kommt." "Ja, das mache ich", sagte
die Katze.
Nach einer ganzen Weile fanden sie ein Kaninchenloch. Da
sagte die Katze: "So jetzt machen wir es, wie wir es besprochen
haben." Sie setzte sich genau vor das Loch des Kaninchenbaus und der Hund
schlüpfte hinein. Mit allergrößter Aufmerksamkeit saß die Katze vor dem
Loch, bereit, in jedem Augenblick zuzuschlagen. Der Hund durchstöberte derweil
den Kaninchenbau. Eifrig schnüffelte er unter der Erde die Gänge entlang.
Schließlich scheuchte er auch ein Kaninchen auf, das aber durch einen anderen
Ausgang davonstob.
Als der Hund durch das Loch gekrochen kam, durch das grade
das Kaninchen entwichen war, war er schon sehr erstaunt, daß die Katze schon
weg war. So murmelte er in sich hinein: "So ein undankbares Geschöpf. Sie
hat das Kaninchen gefangen und ist damit gleich nach Hause gelaufen, ohne auf
mich zu warten. Das finde ich gar nicht nett von der Katze und das werde ich ihr
auch sagen."
Wütend trollte er sich heim, denn er hatte natürlich keine
Ahnung, daß ein Kaninchenbau mehrere Ausgänge hat. Die Katze saß derzeit noch
immer in höchster Aufmerksamkeit vor dem Kaninchenloch, an dem der Hund sie
verlassen hatte. Sie saß dort am Mittag und sie saß dort am Nachmittag. Als es
schließlich Abend wurde, saß sie noch immer reglos und aufmerksam vor dem
Kaninchenloch, um das Kaninchen zu packen, daß der Hund aus dem Loch treiben
wollte.
Als schließlich eine kleine Maus aus dem Loch schlüpfen
wollte, sprang sie darauf zu und fing die Maus. Eine ganze Weile lief sie mit
der Maus herum, um den Hund zu suchen, konnte ihn aber nirgends finden. Da
dachte sie, er ist sicherlich längst wieder heimgegangen, also ging sie auch
heim, mit ihrer Maus natürlich.
Als sie in die Hütte des alten Mannes trat, saß da
tatsächlich der Hund. Er fing sofort an zu schimpfen: "Du undankbares
Tier, du hinterlistige, falsche Kreatur", bellte der Hund. "Du läßt
mich Kaninchen aufstöbern und wenn ich eines aus dem Loch jage, hast du dich
längst davon gemacht. Sicher hast du in der Sonne gelegen und dich ausgeruht,
während ich da unten gearbeitet habe. Warte, ich werde es dir geben."
Der alte Mann sagte: "Hund beruhige dich, ein
Kaninchenbau hat mehrere Ausgänge." Der Hund beruhigte sich nicht.
"Ich werde sie lehren, mich einfach im Stich zu lassen", wütete er.
Die Katze aber sagte - und sie brauchte eine ganze Weile, um sich von dem
Schreck zu erholen: "Gefährte Hund, du hast mich an das Loch gesetzt und
ich habe dort lange ausgeharrt aber kein Kaninchen kam, nur diese Maus hier. Die
habe ich gefangen. Von dir gab es keine Spur weit und breit, ich habe überall
gesucht. Was sehe ich statt dessen: Du bist längst daheim, hast es dir gut
gehen lassen und mich hast du völlig vergessen. Du hast nur an dich
gedacht."
"Da fahr doch gleich der Teufel drein", bellte der
Hund jetzt so laut, daß draußen die Vögel zu singen aufhörten. "Hund,
beruhige dich", rief der Mann, "die Katze hat ihre Pflicht getan, wie
ihr es verabredet hattet. Ich sage dir nochmal: Ihr habt nicht gewußt, daß ein
Kaninchenbau viele Ausgänge hat. Daraus darfst du der Katze keinen Vorwurf
machen. Sie hat so lange ausgeharrt, bis sich an dem Loch etwas rührte und sie
hat eine Maus gefangen."
"Und was hat sie mit dem Kaninchen gemacht, das ich im
Bau aufgetrieben habe", knurrte der Hund. "Du dummer Hund",
schrie der Mann jetzt und war sehr zornig. "Zum letzten Mal sage ich dir,
daß ein Kaninchenbau viele Ausgänge hat und daß die Katze ihre Pflicht getan
hat, an dem Loch zu warten, wo du sie verlassen hast. Dafür darf sie auch die
Maus essen."
Da wurde der Hund gar noch wütender: "Na sowas, jetzt
wird die Treulose und Hinterhältige, die faule Katze auch noch belohnt."
Er warf einen Schemel um und wollte sich auf die Katze stürzen, um sie zu
verprügeln. Da riß dem alten Mann die Geduld. Er packte den Hund, schüttelte
ihn am Genick und sagte: "So, wenn du nichts verstehen willst und willst
auch keinen Frieden geben, dann setz dich vor die Tür. Und du wirst so lange
vor dem Haus leben, bis du zur Vernunft gekommen bist."
Dann packte er den Hund und setzte ihn vor die Tür. Der
Hund, der die Nacht draußen verbringen mußte, war tief empört und beleidigt
über das Unrecht, das ihm hier geschehen war. Noch in der gleichen Nacht lief
er zu einem Nachbarhund und erzählte dem Kollegen von der Affäre am
Kaninchenloch.
"Wenn dein Herr dich morgen ins Haus läßt und sein
Unrecht einsieht, dann werden wir alle ausziehen und künftig im Hof
leben", sagte der Nachbarshund. Und da der alte Mann am nächsten Morgen
bei seiner Meinung blieb, der Hund habe Unrecht gehabt, zogen noch am gleichen
Tag die Hunde aus allen Häusern aus, in denen Katzen lebten.
Da nun die Hunde in aller Welt bis heute das Unrecht von
damals nicht eingesehen haben, leben gewöhnlich die Katzen im Haus und die
Hunde draußen. Erst in neuerer Zeit gibt es in den Großstädten ein paar
Hunde, die wieder friedlich mit Katzen zusammenleben und sich dabei wohlfühlen.
Sie haben wohl beschlossen, die alte Geschichte aus längst vergangenen Zeiten
zu vergessen. |